Am Mittwoch - Ja Ja, ich weiss, es ist schon wieder ein paar Tage her - war wieder Abitur. Es heisst hier nicht Abitur, sondern irgendwie anders, aber wie, das habe ich vergessen. Das muss natürlich gefeiert werden. In den meisten europäischen Ländern ziehen sich bei so einem Anlass die an der Feier interessierten Laureaten einer Klasse an einen geeignete Ort zurück und begehen diesen Tag in mehr oder weniger geschlossener Gesellschaft. Für die Nichtabiturienten und die Ex-Abiturienten hat diese Vorgehensweise zweifellos gewisse Vorteile.

In Schweden wird dieser Anlass auf eine andere Art und Weise zelebriert. In Stockholm feiern alle Stockholmer Abiturienten ein ganz riesiges Abiturfest zusammen. Das ist natürlich sehr schön, auch die an diesem Tage getragene Kleidung ist sehr schön. Es handelt sich um schwarze Blaser und weisse Ballonmütze mit dunklem Schirm und dunklem Rand. Und zwar Unisex. Als ich hier das erste Mal eine größere Ansammlung feiernder Abiturienten gesehen habe, dachte ich zu Anfang, es habe ein Schiff mit Marinekadetten einer befreundeten Seemacht im Rahmen eines Flottenbesuches hier angelegt, und die Mannschaft hätte für diesen Abend Landgang in Ausgehuniform. Aber wenn der Abend dann weiter fortgeschritten ist, wird einem sehr schnell klar, dass auch die wildesten Matrosen sich nicht so gebären könnten, wie eine ganze Stadt voller glücklicher Abiturienten, zumal meistens die frisch bestandene Führerscheinprüfung und die Mannbarwerdung/Weibbarwerdung im schwedischen Sinne, das heist, die Erlaubnis, Bier mit einem Alkoholgehalt von ¨ber 2,8 Prozent zu trinken, zeitlich ungefähr mit dem Abitur zusammenfällt, was die Sache nicht unbedingt ungefährlicher macht.

19. Mai 2000

Zehn mal schöne Königin zu jeweils sieben Kronen

Heute war es mal wieder so weit, ich musste ins Postamt, neue Briefmarken kaufen. Da ich gelegentlich Briefe nach Asien schreibe, und man dort schöne Briefmarken liebt, bat ich die Postbeamtin um zehn schöne Briefmarken zu je sieben Kronen.

"Finns bara drottning kvar." - Wir haben nur noch die Königin.

Also das ist doch die Höhe. Die Königin - eine Landsfrau (oder sagt man "Landsmännin?"). Der Monarch hat sie in seiner Jugend kennengelernt, als sie seine Olympia-Hostess bei den Olympischen Spielen in München 1972 war, und vielleicht hat sie ihm ja sonst noch so einiges über den Sport erklärt. Unter uns - man kann ja verschiedener Ansicht sein. Aber nach aussen hin sollten wir uns doch immer um Loyalität bemühen. Deshalb antwortete ich mit eisiger Stimme: "Die Königin IST schön!". Die Postbeamtin, selbst auch nicht viel jünger als die Königin, lachte hämisch. Ich bekam dann doch nicht die Königin, sondern einen pflügenden Landwirt. Aber auf meinem Kassenzettel stand "10 Freimarken - Königin, a 7 Kr."

Wenn das nicht Betrug ist.